Waldorf
Die Veränderungen in der Gesellschaft, das Problem des Nationalismus, die
ökologische Krise, die Herausforderung durch die Computertechnologie u.a.m.
weisen darauf hin, dass die Entwicklung in die Zukunft nur zu gestalten sein
wird durch Menschen, die in all ihren menschlichen Anlagen gefördert wurden,
die Kopf, Herz u
nd Hand einzusetzen bereit sind in völlig ungewohnten Lebensumständen,
in bisher nie gelebten Situationen, für neue Ziele. Diese allseitige Menschenbildung
jedem einzelnen - gemäß seinen individuellen Möglichkeiten - zu vermitteln,
ist das Anliegen der Waldorfschule.
Die Waldorfpädagogik orientiert sich in Inhalt und Methode an der Einsicht
in das Wesen des Menschen und in die Entwicklungsphasen der Kindheit und Jugend.
Diese von Rudolf Steiner entwickelte Menschenkunde ist für den Lehrer die
Grundlage seines erzieherischen Wirkens. Sie erweist sich gleichzeitig als
Maßstab, an dem die in rascher Folge auftretenden und in die Schulpraxis hineinwirkenden
Zeitphänomene in ihrer pädagogischen Relevanz erkannt, Fehleinschätzungen
und Überbewertungen vermieden werden können. Jede Schule leistet individuell
diese Aufgabe in ihrer spezifischen Eigenart im Freiraum eines selbstverwalteten
Schulorganismus, dennoch als Glied der weltweiten Waldorfschulbewegung als
einer völkerverbindenden, menschheitlich orientierten Bildungsgemeinschaft.
An den Entwicklungsstufen orientierter
Rahmenlehrplan
Der Lehrplan der Waldorfschule
ist ein Rahmenlehrplan, der sich an den Entwicklungsstufen des Kindes orientiert.
Er erkennt einen grundsätzlich vorgezeichneten Bildungsumfang für junge Menschen
an, ohne Unterschied von Geburt, Stand, Klasse, Geschlecht, Herkunft, Religion,
Milieu und Vermögen. Er soll von den Lehrern variiert eingesetzt werden, wobei
die pädagogische Freiheit und Flexibilität sowohl Inhalt als auch Methodik
und Didaktik umfasst. Die Waldorfpädagogik bedingt daher eine besondere erziehungswissenschaftliche
und künstlerische Lehrer Ausbildung.
Acht Jahre Klassenlehrer, später
Fachlehrer
Aufgabe des Klassenlehrers ist
es, das Kind durch acht Jahre der Pflichtschulzeit als vertraute Autorität
zu führen. In der Oberstufe hingegen soll der Lehrer die Funktion des Partners
und Vermittlers von Wertinhalten (Fachlehrer) erfüllen, dem Motto "Der Lehrstoff
als Lehrmeister und der Lehrer als unterstützender Partner" folgend. Das Gesamtbildungskonzept
der Waldorfschulen verbindet Unterrichtsfächer zur Vermittlung und Erarbeitung
von Empfindungen, Kenntnissen und Fertigkeiten als auch zur Pflege von kreativen
Fähigkeiten und künstlerischen Tätigkeiten. Der Lehrplan ist zudem international,
was die Flexibilität für viele Familien erleichtert.
Anthroposophie
Unter Anthroposophie kann dreierlei
verstanden werden: 1. Die von Rudolf Steiner begründete exakte wissenschaftliche
Methode zur Erforschung der übersinnlichen Welt. 2. Die Ergebnisse dieser
Forschung, als Geisteswissenschaft die notwendige Ergänzung der Naturwissenschaft
(zum Beispiel als Wissenschaft von dem übersinnlichen Teil des Menschen, von
den geistigen Wesen in den Reichen der Natur und des Kosmos); aber auch als
Erweiterung der Geschichts-, Sozial- und andere Wissenschaften und der Christologie.
3. Die Anwendung von Forschungsergebnissen der Geisteswissenschaft auf das
praktische Leben des Einzelnen und der Gesellschaft. Zum Beispiel in der Waldorfpädagogik,
der Anthroposophischen Medizin, Pharmazie und Heilpädagogik, in der biologisch-
dynamischen Landwirtschaft und in den Künsten.
Quelle: Bund der Waldorfschulen Österreich