Freinet-Pädagogik
Der Zusammenhang von Pädagogik und Politik, von Schule und Erziehung zur
Demokratie. Den Kindern das Wort geben und damit das Bewusstsein, dass sie
ihre Gesellschaft verändern können. Die Freinet-Pädagogik als Konzept der
(politischen) Veränderung.
Nicht nur die Gestaltung der Schule ist die Aufgabe der Lehrer, Eltern und
Kinder. Gerade mit der Aufgabe der Schulgestaltung und Schulentwicklung sollte
Célestin Freinet in seinen Kindern das
Bewusstsein schaffen, dass auch die
Gesellschaft nach den Bedürfnissen des Kindes bzw. der Betroffenen veränderbar
ist. Er hat den Kindern das Wort gegeben, damit sie lernen, sich zu artikulieren,
damit sie lernen können, in einer Demokratie zu leben, verantwortlich für
sich selbst und für andere Menschen und doch selbstbestimmend innerhalb eines
demokratisch strukturierten sozialen Gefüges. Wo sonst sollen Kidner Demokratie
lernen, wenn nicht in der Schule. Und wir dürfen und müssen nicht nur den
Kindern das Wort geben, sondern auch den Lehrerinnen und Lernern und den Eltern
zur Gestaltung und Entwicklung ihrer Schule.
Schulisches Lernen in einer Freinet-Klasse ist in einem hohen Maß handlungsorientiert
und immer vom Lernenden selbst bestimmt. Freinet geht auch davon aus, dass
jedes Kind die wichtigen Erfahrungen in seinem Leben selbst machen muss und
dass jedes Kind ein grundsätzliches Recht hat, Wahrheiten selbst zu entdecken.
Freinets Pädagogik verwendet große Sorgfalt und umfangreiche Mittel darauf,
Suchbewegungen anzubahnen, Neugierverhalten zu ermutigen und Erfahrungslernen
zu unterstützen.
Schule als Lebensraum
in der Schule viel für und über
das wirkliche Leben lernen und bei aller Freiheit zur individuellen Entwicklung
die Verpflichtungen akzeptieren und damit umgehen lernen. Es gibt die Verpflichtungen,
die Schule zu besuchen, selbstgesteckte Ziele zu verantworten, das Gruppenleben
zu organisieren und Entscheidungen zu treffen - Freinet-Pädagogik ist in diesem
Sinne eine Erziehung zur Selbstbestimmung und Selbstverantwortung.
Die Schüler gehen im Unterricht alleine, zu zweit oder in Gruppen verschiedenen
Arbeiten nach, die sie sich selbst gewählt haben. Die Arbeitsmittel sind vor
allem die Druckerpresse / der Computer, eine Dokumentensammlung, die Arbeitsbibliothek,
verschiedenartige Werkzeuge und Materialien, Lehrgänge udgl. Mehr. Die Arbeit
der Kinder ist das vorherrschende Element in der Lerngruppe. Die herkömmliche
Fächertrennung ist meist aufgehoben.
Der Unterricht wird von Lehrern und Schülern als gemeinsames Vorgehen konzipiert.
Wochenplanung, Tagesplanung, Exkursionen, Klassenrat, Morgenkreis, Klassentagebuch
usw. helfen dabei. Die Unterrichtsplanung wird prinzipiell von den Interessen
und Bedürfnissen der Schüler ausgehen, wobei der Lehrplan in allen Fällen
ein in die Planung zu integrierendes Element sein wird (muß).
Selbstbestimmung und Eigenverantwortung
Zentrale Elemente der Freinet-Pädagogik
sind die Selbstbestimmung und die Eigenverantwortung. Diese können Kinder
nur lernen, wenn man ihnen auch täglich die Möglichkeit in einem ernst zu
nehmenden Rahmen dazu gibt.
Das Wissen in einer Freinet-Klasse kommt nicht mehr nur vom Lehrer allein.
Es ist viel wichtiger, dass die Kinder lernen können, wie sie sich Wissen
aneignen - selbstständig erarbeiten - können und dieses Wissen auch einer
Selbstkontrolle unterziehen.
Der Lehrer hat in einem kooperativ organisierten Unterricht vorwiegend helfende,
koordinierende und beratende Funktion. Er wird auch korrigieren und dafür
sorgen müssen, dass auch die Teile des Lehrplanes für die entsprechende Lerngruppe
erfüllt werden. In jeder Form von Freiarbeit muss der Lehrer in einem hohen
Maße für die Kinder präsent sein und vermitteln, dass er in jeder Sekunde
für sie da ist und wie wichtig er jede Aktivität des Kindes nimmt.
Ins Leben hinausgehen
Außerschulische Kontakte erhalten
eine höhere Bedeutung als im herkömmlichen Unterricht. Es geht darum, dass
die Kinder die Schule verlassen und wieder in das Leben hinausgehen. Möglichst
viele Exkursionen und lebensechte Erfahrungen werden hier angestrebt.
Autor: Harald Eichelberger
Öffnung der Schule (512kb)