Daltonplan
Der von Helen Parkhurst entwickelte Daltonplan ist eine Konzeption selbstgesteuerten
Lernens, dessen Bandbreite innerhalb des schulischen Lernens vom rezeptiven
bis zum entdeckenden Lernen reicht. (Von großer Bedeutung für eine Innovation
der Sekundarstufen.)
Er orientiert sich an Prinzipien, die der Schulentwicklung
eine eindeutige Orientierung und Richtung verleihen: Freiheit, Kooperation
und Budgeting Time. Die pädagogischen Prinzipien des Daltonplanes sind Grundprinzipien
für die Entwicklung einer Schule bzw. auch für die Entwicklung des Schul-
und Bildungswesens.
An individuellen Lernaufgaben soll der Schüler in selbstständiger Arbeit
alleine oder in Zusammenarbeit lernen und wachsen und für seinen Entwicklungsprozess
die Verantwortung tragen können. Die organisatorischen Maßnahmen zielen darauf
ab, das Lernen außerhalb geplanter Lehrveranstaltungen zu ermöglichen und
den Handlungsspielraum der Schüler zu erweitern. Ziel: "the fearless human
being .who knows how".
Freiheit
nicht als absolute Selbstbestimmung,
sondern vielmehr als selbstgesetzte Bestimmtheit des Schülers im Verhältnis
zu einer Aufgabe - persönliche Wahl, persönliche Entscheidung. Diese Art von
Freiheit schließt auch die Verantwortung des Menschen für andere ein.
Die Wahlfreiheiten der Schüler sollen das Selbstständigwerden ermöglichen.
Sobald ein Kind ein Pensum erhält, kann es wählen, mit welchem Teil es beginnen
möchte, ob alleine oder mit einem Partner, wo und mit welchen Hilfsmitteln,
für wie lange Zeit, und wann es beginnt, um sicher fertig zu werden.
Freiheit und Verantwortung: Ein wesentliches Prinzip ist es, dass der Schüler
selbst verantwortlich für seine Arbeit und seinen Fortschritt ist. Der Unterricht
wird so abgehalten, dass der Schüler versteht, dass das Lernen seine Sache
ist und nicht die des Lehrers. Dem Schüler Verantwortung für sein Tun und
sein Leben in der Schule zu geben, prägt ebenso dessen Selbstvertrauen und
seine Fähigkeit, initiativ für sich selbst zu werden.
Zusammenarbeit
bezieht sich nicht nur auf die
Sozialformen der Arbeiten der Schüler, sondern vielmehr auf die Beseitigung
kooperationshemmender Strukturen im Schulleben. Nach Parkhursts Auffassung
entfaltet sich die soziale Dimension schulischen Arbeitens von selbst, wenn
man nur die Konkurrenzsituation des Frontalunterrichtes aufhebt und den Lernenden
die Möglichkeit einräumt, nach Bedarf und Belieben zu kooperieren, auch über
die Grenzen der "Klassen" -Gemeinschaft hinweg.
Der Daltonplan zielt auch darauf hin, eine Schule als Einheit zu sozialisieren,
aus ihr eine kooperative Gemeinschaft zu machen. Diese Einheit zu schaffen,
ist vor allem auch Aufgabe der Lehrer einer Schule. Diese sollen vor allem
über die entsprechenden Methoden, die Hilfsmittel, die Art von Pensen, Tagesfarben,
Verhaltensregeln und vieles mehr intensive Diskussionen führen und die Schule
für ihre Kinder nach den Dalton-Prinzipien schaffen.
In der Zusammenarbeit manifestiert sich die Daltonplan-Pädagogik als Pädagogik,
als mehr als nur eine Methode. Es werden drei Elemente verwirklicht, die die
erzieherische Bedeutung der Pädagogik Helen Parkhursts verdeutlichen: Freiheit
zu erlernen, Kreativität zu erlernen und in einer Gemeinschaft als Mitglied
leben zu können.
In der Zuwendung zum Stoff (Pensum) ist vom Kind eine konzentrierte Aufmerksamkeit
auf den Gegenstand, das Klarwerden einer Problemstellung und die Kreativität
möglicher Lösungen gefordert.
In der Zuwendung zur Gruppe wird das Kind lernen, den Anderen zu respektieren
und zu verstehen, seine eigene Meinung zu formulieren und in der Diskussion
zu vertreten und eine entsprechende Kultur des Gespräches und des demokratischen
Zusammenlebens zu entwickeln.
Selbsttätigkeit
Erziehung zur Selbstständigkeit
durch die Forderung nach kontrollierter Arbeitsplanung und -durchführung und
durch die Forderung nach Selbsttätigkeit des Schülers. Der Schüler soll alleine
oder mit anderen in Kooperation, im Dialog, Lösungsstrategien zu den gestellten
Problemen suchen.
Lernort
Die traditionellen Klassenzimmer
werden in "Fachräume" umgestaltet. Diese Fachräume oder "Laboratorien" werden
von den Schülern aus verschiedenen Lerngruppen (bzw. "Klassen") und Jahrgangsstufen
gemeinsam benützt. Diese Laboratorien werden mit vielfältigem Material ausgestattet,
welches den Lernenden frei zugänglich sein soll (z.B. Nachschlagewerke, Zeitschriften,
didaktische Materialien, Karten, Modelle, Apparaten, ...).
In den Laboratorien werden die Freiarbeitsphasen, hier: "Daltonphasen", abgehalten.
Während der "Daltonphase" besteht die Hauptaufgabe des Lernortes darin, jene
selbstständige Arbeitsweise anzubahnen, die im traditionellen Klassenzimmer
weit gehend verwehrt ist. Jeder Lernende soll angeregt werden, die fachspezifische
Arbeit als "seine Sache" zu betreiben. Dies bringt gleichzeitig auch einen
Wechsel der Lehrerrolle mit sich: Die Lehrerin oder der Lehrer ist vielmehr
ein "anregender Helfer". In dieser Art des Lernens ist auch die permanente
Reflexion des Lernweges des Schülers von immenser Bedeutung.
Lernzeit
Von entscheidender Bedeutung im
Daltonplan ist das Recht des Lernenden, im Rahmen der Monats- oder Wochenpensen
über die Verwendung der verfügbaren Lernzeit frei zu entscheiden und während
der Daltonphasen ungestört zu arbeiten. Schreibt man den Lernenden die Kompetenz
zu, planvoll und verantwortungsbewusst mit der verfügbaren Zeit umzugehen,
so unterstreicht man ihre Selbstständigkeit.
Tagesablauf
Class meeting (Planungsphase am
Morgen. Klärung der Aufgaben, Fragen, Beratung), Daltonphase (Freiarbeitsphase
- zwei bis drei Stunden täglich), Conference period (Fachkonferenzen der festen
Lerngruppe im Anschluss an die Freiarbeitsphase), Wahl- und Wahlpflichtkurse
(Ergänzungen des Pflichtprogramms).
Autor: Harald Eichelberger
Öffnung der Schule (512kb)